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Konzeptlos? Eine Tagung zum Übergang Schule-Hochschule

07.02.2014

Der Titel der Tagung vom 3./4. April 2014 an der Technischen Universität Berlin – „Konzeptlos?“ – barg Provokation. Die Veranstalterinnen, Prof. Dr. Angela Ittel und Cornelia Driesen, konnten zeigen, dass es weniger ein Mangel als vielmehr eine übergroße Fülle von Konzepten zum Übergang Schule-Hochschule ist, die der Sichtung, Bewertung und wissenschaftlichen Begleitung bedarf.

Ilmenau als Mikrokosmos des Übergangs

Am Eingang der Tagung stand ein Impulsreferat von Silke Augustin, Technische Universität Ilmenau, die Werden und Arbeit des Zentralinstituts für Bildung an der TU Ilmenau beschrieb. Deutlich wurde vor allem, dass Hochschule mit ihren Curricula im besten Falle auf Schule reagiert, indem sie Schülerinnen und Schüler dort abholt, wo sie nach Ende der Schulzeit stehen. Ein Wunsch wäre es jedoch aus Sicht von Silke Augustin, dass Hochschule in die Schule hineinwirkt, so dass die Schüler/-innen durch die Schule besser auf das vorbereitet werden, was sie in der Hochschule erwartet.

Schulbüro der Technischen Universität Berlin

Defizitärer Blickwinkel

Im Anschluss an das Impulsreferat wurde in einer Podiumsdiskussion der Versuch unternommen, das Anliegen der Tagung und des Impulsreferates in einen allgemeinen Rahmen des Überganges Schule-Hochschule einzuordnen. Unter den Diskussionsteilnehmer/-innen – Prof. Dr. Hans-Ulrich Heiß (Vizepräsident Studium und Lehre TU Berlin); Dr. Volker Meyer-Guckel (Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft); Markus Weißkopf (Wissenschaft im Dialog gGmbH); Prof. Dr. Petra Mischnick (TU Braunschweig); Jutta Müller (Technische Hochschule Mittelhessen; stellvertretend für die ´´´GIBeT); Robert Stephani (Deutscher Verein zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts) – herrschte Einigkeit, dass es vor allem wissenschaftlicher Begleitung bedarf, um die Wirksamkeit der verschiedenen Maßnahmen und Initiativen zu evaluieren. Gegenüber Volker Meyer-Guckel und Robert Stephani gelang es vor allem Jutta Müller aufzuzeigen, dass ein Blick auf die Defizite der Schüler/-innen (zu wenig Mathematikkenntnisse, „falsche“ Wahl der Leistungskurse in der Oberstufe, zu spät, nämlich erst in der Oberstufe, einsetzende Studienorientierung der Schüler/-innen) selbst ein defizitärer Blickwinkel ist, da Studienorientierung nicht nur das Können der Schüler/-innen, sondern auch die persönliche Reife der Studieninteressierten zu einem bestimmten Studium in den Blick nehmen muss – und da ist die Wahl der Leistungskurse sekundär.

Bunter Strauß an Workshops

In den zwei Tagen der Tagung stellten insgesamt neun Workshops verschiedene Konzepte vor Schüler/-innen und Schulen frühzeitig an Hochschule heranzuführen. Bei der Fülle der Konzepte wurde immer wieder deutlich, dass es nur sinnvoll ist, die verschiedenen Initiativen innerhalb der Hochschulen auf einer Plattform zusammenzuführen und zu koordinieren. Zugleich konnte gezeigt werden, dass es eine Hilfe ist, der Schule die Welt der Hochschule zu zeigen. Wer kennt nicht die Erwartung der Schule, am Ende des Schuljahres noch mal schnell eine Führung durch die Uni und möglichst auch noch ein paar Vorlesungen mitzubekommen? Eine koordinierende Schnittstelle seitens der Hochschule kann hier beiderseitiges Verständnis schaffen: dass Hochschulen u.U. schülergerechte Veranstaltungen nicht aus dem Ärmel schütteln können; dass Schulen in anderen Rhythmen leben als Hochschulen.

Vereinsgründung abgesagt

Im Vorfeld der Tagung schien es, als wollten die Veranstalterinnen in jedem Fall einen Verein zum Übergang Schule-Hochschule gründen. Diese Vereinsgründung wurde vorerst nicht weiter vorangetrieben. Eine Umfrage unter den Teilnehmer/-inne/-n der Tagung erbrachte ein deutlich zweigeteiltes Bild: Insbesondere die Studienberater/-innen verwiesen darauf, dass es mit der ´´´GIBeT schon einen entsprechenden Verein mit umfangreicher Expertise gäbe. Der andere Teil der Teilnehmer/-innen – Mitglieder von Präsidien, Fachbereichen, Schülerlaboren, etc. – ist lediglich an einem losen Netzwerk interessiert, das sich zu Tagungen trifft, darüber hinaus aber nicht weiter tätig wird.

Kritik und Ausblick

Lag es am Tagungsort (Technische Universität)? Der Übergang Schule-Hochschule wurde nicht nur auf dem Podium eingangs, sondern auch in den Workshops häufig unter dem Aspekt betrachtet, wie Schüler/-innen an die Hochschule, insbesondere an die MINT-Fächer herangeführt werden können, z.B. um in Schülerlaboren schon Techniken kennenzulernen, die man im Studium benötigt. Auch der folgende Umstand schien dem Tagungsort (Berlin) geschuldet: Keines der vorgestellten Konzepte scheint an einer kleinen Hochschule wirklich umsetzbar, zu hoch der Aufwand an Personal, Mitteln und Räumen.

Nichtsdestotrotz sieht der Vorstand der ´´´GIBeT in den wichtigen Impulsen der Tagung Anregungen, die weitere Arbeit des Vereins auf diesem Feld u.U. in einem Arbeitskreis ggf. auch in der Kooperation mit der Initiative von Angela Ittel und Cornelia Driesen zu vertiefen. Die nächste Gelegenheit könnte sich dazu bereits auf der Herbsttagung in Hannover bieten, zu welcher der Vorstand Frau Driesen eingeladen hat, einen entsprechenden Workshop anzubieten.